Rendezvous mit Gina

Mit  langen Schritten eilt mein Freund Hans auf mich zu. “Welch ein Gl?ck, dass ich dich treffe!”, ruft er. “Paul, kannst du mir einen Gefallen tun? Ich bin n?mlich jetzt mit einem M?dchen verabredet…”

“Ist es h?bsch?”, unterbreche ich ihn.

“Vielleicht”, erwidert Hans, “ich kenne es noch nicht. Wei?t du,ich habe in der Zeiung inseriert: Begleiterin f?r Theater, Kino und Spaziergang gesucht. Ein M?dchen hat sich gemeldet, und ich habe es ins Cafe Bellini bestellt. Aber jetzt musst du mich vertreten.”

“Warum”, frage ich, “hast du Angst?”

“Nat?rlich nicht”, sagt Hans. “Aber die Unbekannte interessiert mich nicht mehr. Auf dem Weg zum Cafe habe ich ein nettes M?dchen kennen gelernt! Es hat mir im Autobus gegen?ber gesessen. Augen hat es wie Goldlack! Na, und eine Figur … und Beine! Ich habe das M?dchen zum Capitol-Kino bestellt. Verstehst du jetzt? Tu’ mir den Gefallen und geh zu meinem Rendezvous ins Bellini.”

Hans blickt auf die Uhr.

“Beeile dich, es ist schon sp?t.”

“Also gut”, sage ich. “Aber woran soll ich das M?dchen erkennen?”

“Richtig! Es will ein buntes Tuch tragen, und du nimmst hier das gr?ne Buch in die Hand.” In einer Ecke des Cafes Bellini sitzt ein junges M?dchen mit einem bunten Tuch um den Hals. Es ist wirklich reizend. Ich gehe langsam auf das M?dchen zu und halte das gr?ne Buch in der Hand. Sie neigt zustimmend den Kopf. Dann nimmt sie grazi?s das Seidentuch ab.

“Das habe ich nur als Erkennungszeichen umgebunden,” sagt sie l?chelnd. Sie bittet mich, Platz zu nehmen, und fragt mich rundheraus: “Machen Sie immer Bekanntschaften durch die Zeitung?”

“Nein”, gestehe ich ehrlich, “es ist bestimmt das erste Mal.” Ich gebe mir keine M?he, meine Begeisterung zu verbergen. Das M?dchen gef?llt mir ausgezeichnet.

“Ich hei?e Gina”, erkl?rt das M?dchen mit angenehmer Stimme.

“Wollen wir heute Abend ins Kino gehen?”

“Wunderbar!”, rufe ich und schlage ihr das Capitol-Kino vor, weil ich an die ?berraschung von Hans denke. Doch Gina lacht auf und meint: “Lieber nicht. Dort erwartet mich n?mlich ein langweiliger und aufdringlicher Mensch, der mich vorhin im Autobus angesprochen und den ich dorthin bestellt habe, um ihn nur endlich loszuwerden …”

?bung 1