Keine Krankheit wie jede andere: AIDS

Er sieht bestimmt nicht aus, wie ein Mensch, der ein t?dliches Virus in sich tr?gt. Gro?gewachsen, mindestens 1,87 m, sportliche Figur, breite Schultern, eigentlich ganz fr?hlich. Mit seiner Levi’s 501, Sweatshirt und Lederjacke ist Ralf (22 Jahre) bestimmt ein Junge, in den sich M?dchen schnell verlieben.

Ralf hat aber keine Freundin. Vor drei Jahren hat er durch einen Bluttest erfahren, dass er mit dem AIDS- Virus infiziert ist. Er vermutet, dass er sich mit 17 das Virus, das meist erst bis zu zehn Jahren nach der eigentlichen Infektion zur t?dlich verlaufenden Krankheit AIDS ausbricht, geholt hat. “Aus Neugier hab’ ich mal Heroin gespritzt. Wahrscheinlich war eine Nadel dabei, die vorher ein AIDS-Kranker benutzt hat.”

Kaum eine Krankheit hat f?r so viel Aufregung in der Presse, bei den Politikern und in der Bev?lkerung gesorgt wie AIDS. Wissen jetzt aber alle ?ber die Krankheit Bescheid? Wohl nicht. In den K?pfen mancher Menschen geistert immer noch die Angst vor der Infizierung im Schwimmbad oder beim K?ssen. F?r andere ist es immer noch die Krankheit der Drogens?chtigen.

Sicher ist, beim K?ssen, beim H?ndesch?tteln, auf der Toilette oder beim Friseur hat sich noch niemand mit AIDS infiziert. Es ist auch kein Fall auf der Welt bekannt, in dem sich jemand infiziert h?tte, der mit einem anderen aus einer Tasse trinkt. Einen Vorteil hat das AIDS-Virus n?mlich: Es ist sehr empfindlich und braucht Fl?ssigkeit zum ?berleben. ?berall, wo es an die Luft kommt, also au?erhalb des K?rpers, stirbt es schnell ab.

F?r die meisten ist die wichtigste Frage, ob es einen Impfstoff gibt, der vor AIDS sch?tzt. Aber hier sind sich alle Wissenschaftler einig: Obwohl in aller Welt intensiv geforscht wird, wird eine sch?tzende Impfung vielleicht erst in 10 Jahren, wahrscheinlich aber auch niemals m?glich sein.

Gro?e Hoffnungen setzt man jedoch in die Suche nach einem Medikament f?r AIDS-Kranke. Es werden auch schon Medikamente getestet, die die Beschwerden der Kranken lindern und ihr Leben verl?ngern. Aber gesund machen kann man AIDS-Kranke damit nicht.

Das wei? auch Ralf. “Nach dem AIDS-Test habe ich an Selbstmord gedacht. Dann habe ich mich entschieden, die Zeit, die mir noch bleibt, zu genie?en. AIDS-infiziert zu sein, hei?t noch lange nicht, krank zu sein.

Angst habe ich nur vor der Reaktion der Leute in meiner Umgebung. Wenn herauskommt, dass ich AIDS- infiziert bin, verliere ich vielleicht meinen Job. Die meisten haben Angst vor mir oder Mitleid. Ich m?chte aber, dass die Leute normal mit mir umgehen. Toll finde ich eine Aktion der Berliner AIDS-Hilfe. An einem Freitag im Monat veranstaltet sie eine Party f?r M?nner und Frauen, die AIDS haben. Auch gesunde Leute sind eingeladen, damit sie langsam ihre Angst vor uns verlieren lernen.”

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